Umgang mit „Tiefs“

(BEDADEVA-Blog von Eva Bernhardt)

Gestern hatte ich ein sogenanntes „Tief“. Meine Laune war richtig mies – schon beim Aufwachen. Ich hatte keine Motivation, mir war alles gleichgültig, das Leben ergab keinen Sinn, mir war zum Heulen zumute.
Diese Stimmung überfiel mich scheinbar aus dem Nichts und zur schwermütigen Befindlichkeit passend, stiegen Erinnerungen und Gedanken auf.

Ja, selbst mir, die sich selbst zur Lebensmeisterin bestimmt hat, die für alles eine Lösung findet und immerzu Gesundheit, Lebensfreude und Leichtigkeit propagiert und zelebriert und alle damit anstecken möchte, passiert das Leben manchmal und scheint mich zu überrollen und in Abgründe reinzudrehen.

Mein Verstand suchte nach Gründen:

War es der Traum letzte Nacht, der mich so trübsinnig aufwachen ließ?
War es die trübe, kalt-nasse Wetterlage an diesem Tag?
Waren es die vielen Pflichten, die ich vor mir sah?
War es eine körperliche Übersäuerung, Mineralstoffmangel, Immunabwehrschwäche, ein verdorbener Magen, hormonelle Dysbalance?
Habe ich diese Schwermütigkeit von jemandem übernommen, war es die derzeitige Zeitqualität, der Neumond, die Planetenkonstellation, ein herannahendes Unheil?

Aus der Praxis allerdings weiß ich, dass die „Ursachen-Suche“ restlos überbewertet ist und keine lösungsorientierte Vorgehensweise ist, da wir mit unserem begrenzten Verstand niemals den ganzen Ursachenkomplex, der genau zu diesem Moment geführt hat, erfassen können. Manche Ursachen treten vielleicht signifikant hervor, aber sind nie der alleinige Auslöser für das derzeitige Befinden.

Also sammelte ich meine Gedanken in einer zentrierenden Meditation. Doch anstatt des erhebenden, erlösenden Effektes zu ernten, den ich sonst in Meditation erfahre, nahm ich nur ein schwach leuchtendes Licht in mir wahr, das einen Wackelkontakt zu haben schien und nur immer kurz aufflackerte, um gleich wieder zu erlöschen.
Der sonst so mächtige, vitalisierende, inspirierende Lichtstrom, der mich in Meditation immer durchflutet, zeigte sich heute wie ein schwaches Rinnsal, das im Dunkel meines Organismus verebbte.

„Schluss jetzt!“, dachte ich mir und ich spazierte raus in die Natur. Zog meine Schuhe aus, um mit der Natur tief in Kontakt zu treten und versuchte durch heftiges Abschütteln, Hüpfen, Armschwingen und intensives Atmen mich von der Schwermütigkeit zu befreien.
Die Welt kam mir heute grauer und trübsinniger als sonst vor, als würde das Dunkle in mir die Umwelt eintrüben. Oder trübte diese Welt mich ein?

Wie auch immer, weder Meditation, Bewegung in der Natur, viel Wassertrinken, Gute-Laune-Lieder hören, Johanniskrauttee und ein FeelGood-Film – nichts brachte den erwünschten Effekt.
In dieser Gestimmtheit wollte ich nichts berühren, niemandem begegnen, nichts tun, weil ich das Gefühl hatte, es mit meiner Laune zu beschmutzen.

Nachdem ich die nötigen Pflichten mühsam erledigt hatte, fühlte ich mich noch ermüdeter und ich ging bald ins Bett.

Jede Bemühung oder gar Widerstand schienen zwecklos… also probierte ich es mit „Aufgeben“, völlige Hingabe und Akzeptanz.

In einem meiner Lieblingsbücher, „Gespräche mit Gott“ von Neale Donald Walsch, steht:
„Heilung ist, alles zu akzeptieren und dann das Beste zu wählen!“

Dementsprechend wählte ich entschlossen und kompromisslos die höchsten Bewusstseinsebenen von Liebe, Freude und Frieden.
Ich lud ihre erleuchtende Kraft zu mir ins Leben ein, auf dass sie mir die Hand reichen mögen und den Weg weisen. Zwar spürte ich keine Freude oder Liebe und schon gleich gar keinen Frieden in mir, aber ich machte klare, deutliche Ansagen darüber, was ich möchte.
Gott höchstpersönlich forderte ich ein, dass er mich mit all seiner Güte erhellen möge.
In meiner Vorstellung packte ich das ganze Schlamassel in eine Lichtkugel und übergab das ganze Packet an die göttliche Weisheit und im Vertrauen, dass es nichts mehr für mich zu tun gibt und die Allmacht Gottes jetzt für mich alles erledigt, schlief ich endlich ein.

Am nächsten Morgen war ich ein neuer Mensch.
Schon in meiner Morgenmeditation war alles heller und leichter als sonst und sie ließ mich mit einem inspirierten Motivationsschub aus dem Bett springen.

Alles war vergangen, so wie alles vergehen kann und wird, wie ein aufgeschlagenes Knie, das scheinbar ganz von selbst und natürlich wieder zuheilt.
Nichts ist umsonst. Manchmal fordert das Leben uns zur Ruhe ein, zum Innehalten, zum Herunterfahren und zum vollkommenen Reset.
Wir brauchen nicht zu ergründen, warum. Wir brauchen der Befindlichkeit nicht zusätzliche Gründe, Theorien und Geschichten aufladen. Es reicht, die Erfahrung des Tiefs geschehen zu lassen, einfach zu machen, vorüber ziehen zu lassen wie Wolken, die vorübergehend das Licht der Sonne trüben. Wir dürfen uns erlauben, dass alles erledigt sein darf, sobald wir es einmal erfahren haben. An nichts müssen wir festhalten und dürfen mit jedem Atemzug ganz neu sein.

Die Wahrheit, die wir sind, ist so hell, ewig und strahlend wie die Sonne selbst.
Alles geht vorüber, gleichgültig wie lange es zu dauern scheint.
Wir sind mächtiger und größer als jeder Umstand, jede Befindlichkeit. Alles vergeht.
Und Hoffnung besteht immer, weil es uns gibt!
Solange es uns gibt, herrscht das Licht unserer Sonne.
Und da wir jenseits unserer Verkörperung tatsächlich ewige Wesen sind, ist jede Dunkelheit nur ein winziger, vergehender Hauch im Licht unserer ewigen Lebenssonne.