Ein BEDADEVA-Blog von Bernhard Künzner
WIE MÖCHTEST DU LEBEN?
Wenn dir jemand diese Frage stellte, was würdest du antworten?
Findest du eine Antwort, die dich vollkommen zufriedenstellt?
Oder würde deiner Antwort das unweigerliche „aber“ folgen?
Eine Situation, die jeder kennt: Man trifft auf der Straße einen Bekannten, den man länger nicht gesehen hat. Nach den Grußworten folgt üblicherweise die Frage nach dem Befinden.
„Wie geht’s dir?“ – „Danke, gut.“
In den seltensten Fällen fällt die Antwort negativ aus. Meistens dann, wenn etwas Gravierendes geschehen ist, eine schwere Erkrankung, eine Ehekrise, ein Unfall u.ä.
Doch im Großen und Ganzen drücken die Menschen aus, dass sie mit dem gegenwärtigen Zustand zufrieden sind. Ist das nicht großartig? Wünschen wir uns das nicht alle, dass wir von glücklichen Menschen umgeben sind?
Freilich! Aber wie ehrlich sind die Antworten, die uns anlässlich einer zufälligen Begegnung gegeben werden?
Ich gebe zu, dass ich selten Lust habe, auf der Straße ein ausführliches und gehaltvolles Gespräch zu führen. Darum vermeide ich es in der Regel, dem anderen Stoff für eine Unterhaltung zu geben. Ich befolge die üblichen Anstandsregeln und signalisiere, dass ich es eilig habe.
„Ich bin spät dran …“ – „Ich muss meine Tochter von … abholen.“
Und selbst, wenn man sich für den anderen Zeit nähme, bezweifle ich, dass ein aufrichtiges Gespräch zustande käme. Wer hat schon Lust, auf der Straße oder im Einkaufszentrum ein Gespräch über seine intimsten Gedanken zu führen? Vor allem, wenn es sich um negative Gedanken handelt.
Was mich betrifft, so würde ich mich schämen zuzugeben, dass es mir nicht gut geht. Was würden denn die Leute denken, wenn ich sagen würde: „Ich bin in einer Ehekrise“? Oder: „Ich wurde gestern entlassen“? Ebenso gut könnte ich ihnen auf die Nase binden, dass ich eine Affäre hatte, bzw. die Portokasse gestohlen habe. Das ist es doch, was die anderen denken! Sie weiden sich am Unglück ihrer Mitmenschen! Und sie hegen keinen Zweifel, dass ich selbst schuld an meiner Misere bin. In ihren Augen bin ich der Versager, einer, auf den sie mit dem Finger zeigen können, einer, der ihnen das Gefühl gibt, besser als jener zu sein. Diese Genugtuung will ich ihnen nicht geben.
Und abgesehen davon – welchen Grund hat man schon, auf die obige Frage anders zu antworten als „Mir geht’s gut“, wenn man weitgehend gesund ist, ein Dach überm Kopf und genug zu essen hat, außerdem einen sicheren Arbeitsplatz und eine Familie, in der es keine größeren Probleme gibt. Unter diesen Umständen wäre es frevelhaft, zu jammern, nicht wahr? Jeder kennt schließlich jemanden, der nicht so viel Glück hat. Wie könnte man dem erklären, dass man unzufrieden ist? Das wäre ja beinahe so, als wolle man sein Unglück herbeireden.
Die Scham vor dem eigenen Versagen ist ebenso allgegenwärtig wie die Angst vor einem Unglück. Vielleicht gestehen wir uns deshalb nicht ein, wenn wir unglücklich sind.
Wir begnügen uns damit, zufrieden zu sein, um nichts Schlimmeres heraufzubeschwören.
Vae tibi ridenti, quia mox post gaudia flebis! (Wehe dir, der da lacht, weil du bald nach den Freuden weinen wirst!) Dieser Spruch stand in meinem Lateinbuch, und damals, während der Schulzeit, erschien er mir richtig. Ich dachte tatsächlich, dass es sich rächen würde, wenn man über eine glückliche Sache übermäßig jubelt. Ich glaubte, wenn man zu übermütig sei, würde man sich seines unverdienten Glücks als unwürdig erweisen und würde dafür bestraft. Demut sei der beste Schutz vor unliebsamen Überraschungen.
Und Hand aufs Herz: Wie denken wir über Menschen, die sich von Herzen über ein Erfolgserlebnis freuen? Was geht uns durch den Kopf, wenn sie ausgelassen tanzen und singen und sich selbst loben? In der Regel mischt sich in unsere Betrachtung ein bitterer Beigeschmack und nicht selten fallen Bemerkungen wie:
„So gut war es auch wieder nicht“, „Auch ein blindes Huhn findet mal ein Korn“ oder „Das hätte ich auch gekonnt“.
Klar sind wir immer ein bisschen neidisch auf den Erfolg der anderen. Aber viel spannender ist es, wie wir selbst mit einem außergewöhnlichen Erfolg umgehen.
Können wir unsere Freude darüber laut hinausschreien? Können wir uns selbst auf die Schulter klopfen und zu uns sagen: „Hast du gut gemacht“? Oder scheuen wir vor Eigenlob zurück, weil es bekanntlich stinkt, oder weil wir den Neid der anderen nicht auch noch schüren wollen?
Aber ja, es gibt sie, diese Leute mit einem grenzenlosen Selbstvertrauen – oder einer völlig falschen Selbstwahrnehmung; nicht selten ist das eine gepaart mit dem anderen. Sie stellen sich gerne auf eine Bühne und finden sich großartig, sie verbreiten Weisheiten aus der Mottenkiste und zweifeln nie daran, dass sie ein Segen für die Menschheit sind. Häufig sagt man über sie: „Sie haben keine Scham.“ Man beneidet sie um ihren simplen Verstand und stellt sich insgeheim vor, was man erreichen könnte, wenn man wäre wie sie. Doch wer mit ein bisschen Grips setzt sich schon freiwillig dem Spott der anderen aus?
Wir nehmen uns gerne zurück, wenn wir die Gefahr sehen, uns zum Gespött zu machen.
Vielleicht ist diese Haltung der Grund für den Spruch „Bescheidenheit ist eine Zier.“
Ich fasse zusammen:
Da wir von der Angst getrieben werden, einem Unglück zum Opfer zu fallen, zu versagen und zum Gespött der der Allgemeinheit zu werden, ziehen wir uns demütig zurück und bemühen uns, nicht aufzufallen. (Außer wir sind so einfältig, dass wir weder Scham noch Selbstzweifel haben.)
Was soll das bitte für ein Leben sein?
Da niemand von uns vereinsamen will, suchen wir dennoch die Nähe unserer Mitmenschen. Dabei vermeiden wir enge Kontakte zu einzelnen Personen. Eine besondere Freundschaft zu pflegen, würde ein gewisses Maß an Ehrlichkeit und Aufrichtigkeit erfordern. Doch unter dieser Voraussetzung könnten wir unsere dunklen Geheimnisse wie Neid, Scham, Eifersucht nicht mehr verbergen. Daher haben die meisten von uns erkannt, dass es von Vorteil ist, sich einer Gruppe anzuschließen. Denn in einer Gruppe geht es weit weniger kompliziert zu. Hier ist es einfach, herauszufinden, was man sagen und tun darf, ohne in Ungnade zu fallen oder sich zu blamieren. Jede Gruppe hat einen eigenen common sense. Man braucht ihn nur zu befolgen und schon kann man von sich behaupten: „Ich habe viele Freunde!“ und hat gleichzeitig das Gefühl, dazuzugehören. Ist es nicht genau das, was man immer wollte?
Leider ist eine Gruppe ein ebenso fader Kompromiss wie eine politische Partei. Beide können dauerhaft nur überleben, wenn sie aus schwachen Mitgliedern besteht. Jemand, der Rückgrat zeigt und feste Überzeugungen hat, ist ein potenzieller Feind. Charakterfeste Menschen lassen sich nicht von Mehrheitsmeinungen und festen Regeln beeindrucken. Sie tun, was ihnen ihr Gewissen sagt, selbst, wenn sie allein gegen den Rest der Welt stehen. Doch davon gibt es nur wenige. Die meisten passen sich der Mehrheit an. Und warum auch nicht? Schließlich ist dieses Verhalten doch demokratisch … Man beugt sich der Mehrheit, auch wenn man sie für dumm hält. Diese Einstellung lässt sich jahrelang ertragen, doch früher oder später wird sie zur Qual. Jeder begreift irgendwann, dass er sich die ganze Zeit über selbst betrogen hat.
Aufgrund dieser Ausführungen kann ich nur folgende Schlussfolgerungen ziehen:
Wenn wir unseren Seelenfrieden bewahren wollen, müssen wir tun, was wir für richtig halten.
Sind wir also dazu verdammt, ein Leben als einsamer Prediger in der Wüste zu führen?
Nein! Unter 8 Milliarden Menschen auf diesem Planeten besteht schon rein rechnerisch eine große Wahrscheinlichkeit, einen oder mehrere Gleichgesinnte zu finden, auch wenn wir uns das jetzt vielleicht noch nicht vorstellen können.
Jeder Mensch verfügt über ein ganz individuelles messbares Schwingungsmuster. Und so, wie eine Klaviersaite, wenn sie angeschlagen wird, bestimmte andere Saiten zum Schwingen bringt, so bringen wir durch unser Verhalten und unsere Gestimmtheit bestimmte Menschen zum „Schwingen“. (Was ich damit meine, wird im Folgenden erklärt.) Wir müssen dazu nicht einmal in ihrer Nähe sein. Gleiche Frequenzen ziehen einander an, auch wenn sie tausende Kilometer voneinander entfernt sind. Sie gehen in Resonanz, wie man auch gerne sagt, sie fühlen sich gerufen.
Dieser Vorgang ist umso wirkungsvoller, je klarer die Schwingung ist. Ein selbstbewusster, in sich ruhender Mensch, dessen Denken, Fühlen und Handeln im Einklang stehen, ist ein kraftvoller Resonanzkörper für seine Schwingungsfrequenz. Wir spüren seine Kraft und suchen seine Gegenwart; hier haben wir das Gefühl „aufzutanken“. Ein Mensch, der vorgibt, jemand zu sein, was er nicht ist, schwächt sich dadurch selbst und besitzt keine nennenswerte Ausstrahlung. Wir fühlen uns in seiner Nähe unwohl, weil wir seine innere Zerrissenheit spüren. Menschen, die sich finden, weil sie die gleichen Überzeugungen teilen, und sich dennoch treu bleiben, sind äußerst mächtige „Sender“. Sie strahlen Wahrheit und Authentizität aus und schwingen dabei im Einklang mit der Natur. Wenn sich solche Menschen finden und gemeinsame Ziele anstreben, können sie alles erreichen.
Sei immer du selbst und die Welt liegt dir zu Füßen!
Das hört sich alles sehr einfach an, aber es ist schwer vorstellbar, dass sich die Welt um uns herum unserem Willen unterwirft, nicht wahr? Viele würden vermuten, dass es eine enorme Willenskraft und etliche Kämpfe gegen Windmühlen erfordert, in jeder Situation nach seinem Gewissen zu handeln. Erfahrungsgemäß bringt jeder Kampf auch Opfer mit sich. Aber das scheint schon seine Richtigkeit zu haben, schließlich gibt es keinen Held ohne Opferbereitschaft. Stimmt das?
Um den Begriff des Opfers ranken sich absurde Mythen.
Ein Beispiel: Eine Mutter behauptet, sie habe ihre Karriere zu Gunsten ihrer Kinder geopfert. Sie ist der Meinung, dass sie heute eine angesehene, wohlhabende Frau wäre, wenn sie ihren Beruf nicht hätte aufgeben müssen.
Diese Haltung ist Gift für alle Beteiligten. Die Mutter wird ihr Leben lang unzufrieden sein und lastet ihren Kindern die Verantwortung dafür an, völlig zu Unrecht, versteht sich, da sie nun rein gar nichts für die Misere ihrer Mutter können. Man kann sich nur schwer vorstellen, wie sich unter diesen Voraussetzungen zwischen Mutter und Kindern ein normales Verhältnis entwickeln sollte.
Davon abgesehen, ging die Mutter bei ihrer Entscheidung „zu Gunsten der Kinder“ von Mutmaßungen aus, die nicht der Wahrheit entsprechen. Zum einen war sie überzeugt davon, dass es unmöglich sei, Karriere zu machen und gleichzeitig eine gute Mutter zu sein. Zum anderen war sie sich sicher, die angestrebte Karriere würde sie glücklicher machen als das Dasein als Mutter. Beides sind Annahmen, die sich nicht beweisen lassen.
Was hat sie nun zu ihrer Entscheidung getrieben?
War es am Ende die Angst davor, in der Öffentlichkeit als schlechte Mutter zu gelten?
Die Kinder nehmen ihren Eltern selten etwas Übel, außer man „füttert“ sie mit negativen Glaubenssätzen. Es gibt nichts Zerstörerisches, als Kindern weiszumachen, sie seien arm, vernachlässigt und benachteiligt. Natürlich gibt es Kinder, die es wirklich sind, aber mit ein wenig Zuspruch und Unterstützung können auch diese glückliche, selbstbestimmte Erwachsene werden. Bedenklicher ist es, wenn Eltern sich bemühen, nichts falsch zu machen. Anstatt ihrem Instinkt zu vertrauen, achten sie darauf, peinlichst genau zu tun, was sich für gute Eltern gehört. Es scheint beinahe so, als wäre unter Müttern ein Wettbewerb darum entstanden, wer die beste von allen ist. Dabei steht gar nicht mehr das Wohl der Kinder im Vordergrund, als vielmehr das Prahlen mit immer neuen Erfindungen, um das Kind noch dichter im Watte zu packen. Nochmal: Was treibt so viele Mütter (und auch Väter!) zu diesem schädlichen Verhalten?
Es ist die Angst davor, einer Mehrheit entgegenzutreten und anders zu sein.
Auch wenn es noch kein Gesetz gibt, das das Verhalten der Menschen vorschreibt, so bilden sich in einer Gesellschaft von Mitläufern informelle Gesetze, die nicht weniger tief in unser Zusammenleben eindringen.
Es ist immer falsch, eine Norm über die Freiheit des Individuums zu setzen (s. oben unter „Gruppen“!). Doch jede Norm bliebe wirkungslos, wenn das Individuum selbstbewusst genug wäre, um „Nein“ zu sagen. Menschen, die sich vor Normen ducken, berauben sich selbst ihrer naturgegebenen Autorität. Erwachsene können sich möglicherweise selbst täuschen und so tun, als wären sie selbstbewusst, doch ihre Ausstrahlung wird durch ihre Haltung deutlich gedimmt. Kinder hingegen sind exzellente Beobachter. Sie spüren es, wenn ihre Eltern traurig oder leidend sind, auch wenn sie versuchen, gute Miene zum bösen Spiel zu machen. Darum ist es sinnlos bis kontraproduktiv, Kindern gegenüber den eigenen Kummer zu verheimlichen oder sie vor negativen Ereignissen schützen zu wollen. Sätze wie: „Das verstehst du noch nicht“, „Dazu bist du noch zu klein“, zeigen dem Kind nur, dass es Dinge gibt, die ihnen ihre Eltern vorenthalten. Und wie soll man jemandem ganz und gar vertrauen, wenn er Geheimnisse vor einem hat?
Wenn sich die oben beschriebene Mutter dazu durchgerungen hätte, Kinder und Karriere zu vereinbaren, weil sie sich einfach gut mit dieser Entscheidung fühlte, wäre es ihr wahrscheinlich auch gelungen.
Wenn es also unnötig und grundfalsch ist, sich sein Wohlergehen mit Opfern und Heimlichtuerei zu erkaufen, wie können wir es dann besser machen? Können wir das Universum möglicherweise gar so beeinflussen, dass es sich uns in jeder Situation liebevoll zuneigt?
Oder – muss es am Ende gar nicht beeinflusst werden, um uns gewogen zu sein?
Wer akzeptieren kann, dass ihn nichts und niemand von seinem absoluten Glück abhält, hat das Leben verstanden.
Hier die Erklärung:
Wer seine Hand betrachtet, sieht eine mehr oder weniger faltige Haut, die sich über Sehnen, Adern, Nerven und Knochen spannt. Würde er mit einem Mikroskop durch die oberste Hautschicht blicken, würde er die unterschiedlichen Hautzellen erkennen. Bei einer weiteren Vergrößerung könnte er das Innere der Zellen beobachten, Zellkern, Ribosomen, Mitochondrien, Mikrotubuli usw. Und wenn er gar einen Apparat hätte, der ihm ermöglichte, die einzelnen Atome zu sehen, und obendrein noch all die winzigen subatomaren Teilchen, dann käme er dem Geheimnis seines Körpers einen großen Schritt näher. Er würde früher oder später bemerken, dass alles, was ihm als feste Materie erschienen war, nur bewegte Energie ist. Dies ist der „Stoff“, aus dem die Menschen gemacht sind, derselbe Stoff, aus dem jedes Tier, jede Pflanze, jeder Stein, ja, das ganze Universum besteht. (Genau genommen ist es kein Stoff, weil nichts im Universum fest ist.)
Eine weitere bedeutsame Gemeinsamkeit ist die Tatsache, dass alles lebt! Nichts kann vergehen, denn Energie bleibt Energie. Außerdem drängt sich der Schluss auf, dass alles aus derselben Quelle stammt. Die Energie, die das gesamte Universum ausmacht, hat sehr wahrscheinlich einen Schöpfer.
Da es aber offensichtlich einige Unterschiede zwischen Steinen, Pflanzen, Tieren und Menschen gibt, stellt sich die Frage, worin diese bestehen, wenn doch die Bausteine dieselben sind. Eine unvoreingenommene Betrachtung aus einer übergeordneten Perspektive hilft weiter.
Die Pflanzenwelt ist ein unfassbares Wunder. Sie wächst, verbindet sich, entfaltet sich zu unermesslicher Vielfalt, sie dient als Nahrung und nimmt kaum etwas für sich in Anspruch, außer Licht, Wasser und ein bisschen Erde. Trotz ihrer Bescheidenheit schafft sie die Grundlage für alles weitere Leben. Hat man schon jemals gehört, wie sich eine Pflanze darüber beklagt hat, wenn sie vertrocknet oder aus dem Boden gerissen wird? Eine Pflanze tut, was ihrer Bestimmung entspricht, ohne Wenn und Aber.
Mit Tieren ist es ganz ähnlich. Ein Tier ist glücklich, weil es niemals auf die Idee käme, unglücklich zu sein. Gewiss sind Kühe traurig, wenn ihnen ihre Kälbchen genommen werden, und Hunde können vor Gram sterben, wenn ihr Mensch sie verlässt. Doch diese Emotionen werden nicht durch Nachdenken erzeugt. Sie kommen daher, dass diese Wesen nicht verstehen, wie man der Liebe etwas anderes vorziehen kann, wie Profit, Bequemlichkeit, Luxus.
Der Mensch ist, wie oben beschrieben, aus demselben Stoff wie Pflanzen und Tiere gemacht. Doch im Gegensatz zu diesen hat er einen freien Willen. Was er tut, ergibt sich nicht automatisch aus seinem Sein. Er muss selbst darüber entscheiden, wer er sein will. Und hieraus ergeben sich alle Schwierigkeiten, die das menschliche Dasein so kompliziert erscheinen lassen.
Das Gehirn des Menschen mag genial sein, aber es reicht nicht annähernd an die universelle Weisheit heran. Denn diese „steuert“ die nicht-menschlichen Wesen in perfekter Weise. Alle Pflanzen, Pilze, Tiere, Mikroben, Kristalle, Mineralien folgen genau ihrem Daseinszweck und fügen sich lückenlos in das Netzwerk des Lebens ein, sodass ein harmonisches Ganzes entsteht und bewahrt bleibt. Da sich der Mensch intelligent wähnt, glaubt er, dem Ganzen die Krone aufsetzen zu müssen, indem er sich einmischt, doch wie immer, wenn der Dumme die Herrschaft ausübt, entsteht daraus nur ein Durcheinander, das die wunderbare Ordnung aus dem Gleichgewicht bringt.
Daraus ergibt sich fast zwingend die Schlussfolgerung:
Der Mensch kann und sollte durch Beobachtung von der Natur lernen.
„durch Beobachtung“ ist unterstrichen, weil manche besonders „kluge“ Menschen glauben, sie könnten etwas Wesentliches über die Natur herausfinden, indem sie Lebewesen aus ihrem natürlichen Lebensraum entfernen und in Gefangenschaft studieren. Das ist absurd, da sich Tiere, die isoliert werden, völlig anders verhalten. Noch schlimmer und zutiefst unethisch ist es, wenn Lebewesen in Laboren zerpflückt, zersetzt, manipuliert oder an Maschinen angeschlossen werden. Dies beweist wieder nur das völlige Unverständnis gewisser wissenschaftsgläubiger Zeitgenossen über die Natur. Die Natur kann nur als Ganzes verstanden werden, nicht durch ihre Zerlegung in Einzelteile. Was sollte man denn anderes darüber herausfinden als die reine Energie, die wir alle sind?
Nochmal: Da wir alle aus demselben Stoff gemacht sind, stellt sich die Frage, warum wir uns dann in unterschiedliche Arten und Individuen entwickeln. Wer oder was ist dafür verantwortlich?
Die Antwort lautet: Das Bewusstsein. Was kann man sich darunter vorstellen?
Wenn man von einer Entstehungsgeschichte des Universums spricht, ist das sehr wahrscheinlich ein grundsätzlich falscher Ansatz. Wenn etwas immer schon da war und in alle Ewigkeit da sein wird, kann es keinen Punkt geben, an dem es entstanden ist. Aber um etwas so Abstraktes wie das Bewusstsein zu erklären, muss man auf Denkkonstruktionen zurückgreifen, die mit dem menschlichen Gehirn erfassbar sind.
Darum verwende ich hier auch den Begriff „Gott“. Man darf sich darunter auch die allem zugrundeliegende Quelle vorstellen, das kommt der Wahrheit ziemlich nahe.
Wenn man von Bewusstsein spricht, kommt man am göttlichen Bewusstsein nicht vorbei. Gott, die Quelle, die alles umfasst, wollte sich selbst erkennen und hat sich geteilt, um sich selbst betrachten zu können. So entstanden das erst Ich und das erste Du. Jemand konnte zum ersten Mal sagen: „Das bin ich“. Das war die Geburtsstunde des Bewusstseins. Alles, was sich danach entwickelte, waren weitere Erscheinungsformen dieses ersten Bewusstseins. Jedes neu geformte Wesen, sogar jedes Atom, wurde nun mit einem eigenen Bewusstsein ausgestattet. Dementsprechend verfügen jeder Stein, jede Pflanze und jedes Tier über ein Bewusstsein. Eine Rose ist sich dessen bewusst, dass sie alle Fähigkeiten einer Rose besitzt, mit ihrem glatten, kräftigen Stiel, ihren dornigen Zweigen und ihrem wunderschönen Blütenkelch. Sie käme niemals auf die Idee, etwas anderes zu sein. Ebenso ist es mit den Tieren; eine Giftschlange tut das, was für sie typisch ist: Sie schlängelt sich über den Boden und sucht nach Fressbarem. Sie weiß, dass ihre Zähne giftig sind, und setzt sie ein, sobald es für sie Sinn macht.
Wie aber ist es um das menschliche Bewusstsein bestellt?
Auch ein Mensch hat sein naturgegebenes Bewusstsein. Er ist ebenso wie alle anderen Wesen mit den für ihn typischen Fähigkeiten und Merkmalen ausgestattet. Aber bei ihm kommt etwas Wesentliches hinzu: Er denkt darüber nach, wer er ist, und kann somit sein Bewusstsein nach seinen Vorstellungen formen. Er kann so vieles sein: Familienvater oder -Mutter, Maurer(-in), Buchhalter(-in), Ingenieur(-in), Programmierer(-in), Handwerker(-in), Kindergärtner(-in), Arzt/Ärztin, Politiker(-in), Busfahrer(-in), Lehrer(-in), Schauspieler(-in), Model und so vieles andere mehr. Er kann sich als introvertiert oder extrovertiert wahrnehmen, als Macher oder als Dienstleister. Er kann sein Leben aktiv-sportlich führen oder passiv-zurückgezogen. Er kann euphorisch oder depressiv sein. Alles das kann eine Pflanze nicht und ein Tier sehr eingeschränkt.
Auch wenn sich der Mensch auf diese Weise eine eigene Persönlichkeit gibt, wird er dennoch immer auf das zurückkommen, was ihm sozusagen in die Wiege gelegt wurde. Er kann niemals leugnen, zu existieren und ein Teil des großen Ganzen zu sein. Da er mit allem in Verbindung steht, wird jeder Mensch früher oder später einsehen müssen, dass er sich selbst schädigt, wenn er ein Mitwesen schädigt.
Denn einige Tatsachen muss auch der mit einem freien Willen ausgestatte Mensch anerkennen: Er ist aus demselben Stoff gemacht wie alles andere im Universum, darum kann er nicht vergehen. Er mag seine Form ändern, aber niemals seine Essenz. Er kann sich Bewusstseins-Variationen aneignen, aber niemals kann er ohne Bewusstsein sein. Offenbar muss der Mensch im Laufe seines Lebens selbst erkennen, wer er ist, nämlich ein Kind der heiligen Schöpfung.
Sobald ihm diese Tatsache in ihrer ganzen Tragweite bewusst wird, hat er im wahrsten Sinne des Wortes ein leichtes Spiel. Er begreift, dass er es trotz seiner genialen Gedanken, trotz seines Erfindungsreichtums und trotz seiner schöpferischen Qualitäten niemals schaffen wird, sich aus der göttlichen Einheit zu trennen, oder – blumiger ausgedrückt – der Liebe Gottes zu entkommen. Und somit ist es einerlei, was er tut und was er über sein Leben denkt, ob er einen Sinn darin findet oder nicht, er bleibt in den Augen Gottes immer derselbe.
Was also könnte der Mensch im Laufe seines Lebens Besseres tun, als sich zu freuen?
Die Antwort auf die Frage „Wie willst du leben?“ kann also nur lauten:
Tu, was immer du möchtest! Es gibt kein „falsch“ und kein „richtig“. Du kannst dir allenfalls selbst ein Bein stellen, indem du ein Leben führst, das dich unglücklich macht.
Wenn du im Zustand der Freude bist, befinden sich alle deine Körperfunktionen im optimalen Zustand. Dann gleichst du einer Glühbirne, die bisher nur von einer 1,5 V-Batterie versorgt wurde und nun an das Stromnetz angeschlossen ist. Alles fällt dir leichter, Ideen fließen dir ebenso zu wie die Herzen deiner Mitmenschen. Alles, was du anpackst, gelingt dir, jede Müdigkeit verfliegt. Wir alle kennen dieses Gefühl, und doch entscheiden sich viele dafür, der Freude nicht zu vertrauen. Offenbar glauben sie daran, dass es zu einfach wäre, sich einfach zu freuen. Aber genau so ist es!
Freue dich und alles andere fällt dir in den Schoß!
Jaja! Wenn das so einfach wäre mit dem Freuen …
Wenn es nun mal so gar keinen Grund gibt, sich zu freuen, soll man sich dann etwa dumm stellen und so tun als ob? Das ist doch Selbstbetrug! Nie und nimmer kann das funktionieren!
Es gibt einen geläufigen Spruch, der in aller Kürze beschreibt, wie es dennoch funktioniert:
Fake it till you make it!
Wenn man sich immer wieder mit den schönen Dingen im Leben beschäftigt, wenn die Gedanken kontinuierlich um Träume und Visionen kreisen, die einem gut tun, kommt der Tag, an dem unser Verstand klein beigibt und akzeptiert, dass das Leben schön ist. Leider gibt es auch hier ein Aber.
Wer sich in seine Traumwelten zurückzieht und ignoriert, dass er in dieser Welt lebt, die ihm seine fünf Sinne zeigen, wird dadurch nicht glücklicher. Niemand hat diese schnöde materielle Welt zufällig betreten. Er hat, wie wir alle, diese Lebens-Form gewählt, um dadurch Erfahrungen zu machen, die ihn zu höheren Erkenntnissen befähigen. Natürlich ist es auch eine bestimmte Erfahrung, ein Leben als Eremit zu führen, oder sich in seinem Zimmer einzuschließen und zu träumen, und keine Erfahrung ist besser oder schlechter als eine andere. Nur muss man akzeptieren, dass alles, was wir tun oder nicht tun, mit Konsequenzen verbunden ist. Wer jedoch das Leben in allen seinen Facetten umarmt und ohne Angst mit voller Zuversicht annimmt, was sich ihm bietet, darf sich darauf freuen, mit Geschenken überhäuft zu werden.
Wir sind dafür gemacht, um uns mit der „Mutter Erde“, aus der unser Körper stammt, zu verbinden, ihr zu vertrauen. Wenn wir ihre Angebote nutzen, ist dies zu unserem Besten. D.h., wir tun gut daran, uns mit echten Lebens-Mitteln zu ernähren, frische Luft zu atmen, uns angemessen zu bewegen und unseren Mitwesen Gutes zu tun. Wir brauchen nur die Natur zu beobachten und verstehen, wie wir uns zu verhalten haben, um in Harmonie mit unserem Körper zu leben.
Unser Geist orientiert sich hingegen am „Himmelvater“, was bedeutet, dass wir nicht in einem Körper feststecken müssen. Wir sind zuallererst geistige Wesen, und als solche haben wir Fähigkeiten, die denen eines Gottes ähneln. Allein durch unsere geistige Einstellung können wir Einfluss auf die materielle Erscheinungswelt nehmen. Doch auch dazu ist es erforderlich, bestimmte Verhaltensweisen zu beachten. Niemals dürfen wir schlecht über eine andere „Seele“ denken. Wir sollten nicht vergessen, dass alles mit allem verbunden ist. Dadurch ergibt sich ganz von selbst der sog. Kategorische Imperativ: „Was du nicht willst, dass man dir tu, das füg auch keinem andern zu!“
Hieraus ergibt sich eine weitere Schlussfolgerung:
Ja, wir dürfen und sollen von einem idealen Leben träumen!
Dabei müssen wir uns bewusst sein, dass unsere positiven Visionen nicht in einer fernen Welt auf uns warten, sondern dass wir sie jetzt, im gegenwärtigen Augenblick erreichen können, indem wir uns so verhalten, als wären wir bereits in unserer Traumwelt. Wünschen wir uns etwa nicht, allezeit von freundlichen, liebevollen Menschen umgeben zu sein? Dann sollten wir jetzt ein freundlicher und liebevoller Mensch sein! Sehnen wir uns nicht danach, ein langes, gesundes Leben zu führen? Dann sollten wir auf unseren Körper achten und ihm geben, was er braucht, um gesund zu bleiben! Möchten wir nicht in einer schönen und gesunden Welt leben? Dann sollten wir unser Möglichstes dazu beitragen! Wir verändern alles mit einer Tat, so klein sie auch sein mag. Pflanze Blumen in deinem Garten oder auf deinem Balkon und sie werden dein Herz und das anderer zum Lachen bringen! Halte dein Heim sauber und wirst dich frei fühlen! Sei großzügig, gib mit Freuden, was du im Überfluss hast, und du wirst dich fühlen, als hättest du es bekommen!


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